Zeitgerechte Medikamenten-Einnahme

Warum ist zeitgerechte und regelmäßige Einnahme Ihrer Medikamenten wichtig?

zeitoptimierte Medikamenten-EinnahmeUnserer körperlichen Organe unterliegen zeitlichen Schwankungen. Sie werden durch den Tag-Nacht-Wechsel und auch durch Hormon-Einflüsse gesteuert. Sie beeinflussen zum Beispiel unsere Herzfrequenz, unseren Schlaf-Wach-Rhythmus, unseren Blutdruck und unsere Körpertemperatur, die je nach Tageszeit unterschiedliche Werte aufweisen. Statistiken belegen, dass Asthmatiker vorwiegend nachts einen Anfall erleiden, dass das Herzinfarktrisiko vormittags am Größten ist und nachmittags unser Schmerzempfinden am geringsten ist.

Die biologischen Rhythmen haben auch Einfluss auf die Einnahme von Medikamenten, erläutert Professor Björn Lemmer, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Heidelberg. „Sie können die Wirkung der Arzneimittel verändern, aber auch die Nebenwirkungen können je nach Einnahmezeitpunkt stärker oder schwächer sein.“ Deshalb ist die gängige Empfehlung, die Medikamentendosis gleichmäßig über den Tag zu verteilen – „dreimal täglich“ – nicht immer sinnvoll, so Professor Lemmer. Der Pharmakologe gilt als einer der Begründer der Chronopharmakologie (chronos = Zeit) in Deutschland (siehe Zitat aus Artikel Stiftung Warentest 04.2007).

Der Einnahme-Zeitpunkt eines Medikamentes entscheidet über den Verlauf Ihres Heilungsprozesses.

Hier einige Beispiele:
• Gegen Asthmaanfälle, die vorwiegend nachts auftreten, schützen Sie sich am besten durch entsprechende Tabletteneinnahme am Abend.
• Normalerweise haben Sie tagsüber einen höheren Blutdruck als nachts. Nehmen Sie Ihre blutdrucksenkenden Präparate morgens ein, dann sind sie besonders wirksam.
• Gewöhnlich produziert Ihr Magen abends wesentlich mehr Magensäure als morgens und über Nacht fehlt Ihnen der Schutz durch Nahrung zum Binden der Säure. Leiden Sie darunter, dass Ihr Magen zu viel Magensäure produziert, nehmen Sie Ihre Medikamente dagegen abends einige Zeit nach der letzten Mahlzeit ein.

Neben dem Einnahmezeitpunkt entscheided auch die Anwendungsdauer über den Erfolg Ihrer Therapie. Einige Medikamente sind nur wirksam bei regelmäßiger Einnahme über einen längeren Zeitraum. Hierzu zählen Antibiotika und Antibabypille, die jeden Tag zur gleichen Zeit einzunehmen sind.

Wichtig: Die aufgeführten Beispiele hier sind als Empfehlung zu sehen. Maßgebend für Ihre Medikamenteneinnahme sind die Anweisungen Ihres Arztes. Deshalb klären Sie sorgfältig die genauen Einnahmezeiten und die Dauer der Einnahme Ihrer Medikamente mit Ihrem Arzt ab. Setzen Sie nie in Eigenregie die Einnahme Ihrer Medikamente ab, auch wenn Sie das Empfinden haben, dass es Ihnen besser geht. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, beispielsweise die Ihres Zahnarztes. Halten Sie sich an die Vorgaben Ihres Arztes und konsultieren Sie ihn falls Nebenwirkungen Sie die Einnahme erschwert.

Welche Vorteile haben Sie bei dieser Vorgehensweise?
• die Dosis der einzunehmenden Medikamente lässt sich reduzieren
• die Nebenwirkungen fallen schwächer aus
• der eigene Körper wird weniger stark belastet

Welchen Einfluss haben Nahrungsmittel?

Nehmen Sie Ihre Medikamente auf leeren, also nüchternen Magen, ein. Die Wirkstoffe gelangen schnell in Ihren Körper und die Wirkung des Medikamentes setzt unverzüglich ein.
Bei kalziumhaltigen Lebensmitteln wie Milchprodukten ist Vorsicht geboten. Zusammen mit der Einnahme von Antibiotika gehen sie schwer lösliche Verbindungen ein und können Wechselwirkungen hervorrufen. Die Wirkstoffe verlieren ihre Wirkung, da sie vom Magen-Darm-Trakt nur schwer aufgenommen werden.
Auch Zitrusfrüchte, hier insbesondere die Grapefruit, können Wechselwirkungen verursachen, wenn Sie zusammen mit Medikamente gegen Allergie oder gegen Herzrhythmusstörungen oder gegen eine Darmerkrankung eingenommen werden. Verantwortlich dafür sind sogenannte Flavonoide, die die Früchte enthalten.
Andererseits bereiten einige Schmerzmittel, deren Einnahme gewöhnlich Magenprobleme verursachen, weniger Probleme, wenn sie zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker und erkundigen Sie sich auch welche Nahrungsmittel Sie gegebenenfalls meiden sollten.

Welche Flüssigkeit hilft bei der Einnahme Ihrer Medikamente?

Nehmen Sie Tabletten immer mit ausreichend Flüssigkeit ein. Damit bleiben sie nicht in der Speiseröhre stecken und ihr Wirkstoff gelangt am schnellsten ins Blut. Verwenden Sie als Flüssigkeit nur reines Leitungswasser oder stilles Wasser.
Bei Milch, Grapefruitsaft, anderen Obstsäften, Cola-Getränken, Kaffee, schwarzem, grünem und Mate-Tee besteht die Gefahr von Wechselwirkungen. Hiervon ist dringend abzuraten. Das Präparat kann schwächer wirken oder Nebenwirkungen hervorrufen.

Beipackzettel beachten

Die Verpackung Ihrer Medikamente beinhaltet einen Beipackzettel. Der Beipackzettel gibt Ihnen als Patient bestimmte Informationen, was bei der Einnahme der Medikamente zu beachten ist. Sie erhalten Empfehlungen über die Dosierung, der besten Einnahmezeit und mögliche Nebenwirkungen, die mit der Einnahme des Medikamentes auftreten können. Der Beipackzettel dient somit als zusätzliche Orientierungshilfe hinsichtlich der Einnahme des Medikamentes, wenn Sie sich nicht mehr genau an die Anweisungen Ihres Arztes erinnern können. Lesen Sie also grundsätzlich den Beipackzettel durch. Das hilft Ihnen die Einnahme Ihrer Medikamente zu optimieren, mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden und schnellstens wieder gesund zu werden.

Foto: CC-BY Wilhei55

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